In den letzten Jahren hat sich "Ashtanga Yoga" oder "Power Yoga" als Modebegriff für eine westlich/ sportliche Variante des Yoga etabliert und wurde - getragen durch Werbeikonen wie Madonna - massiv vermarktet.

Tatsächlich wurde diese hervorragende Variante des Yoga ursprünglich vom Yoga - Meister und Guru Sri K. Pattabhi Jois entwickelt. Ursprünglich sollten diese Übungsfolgen 8-10 jährige (männliche) Gurukula Kinder (also Kinder welche in einem indischen Gurukula aufwachsen) trainieren. Diese Übungsfolgen stellen tatsächlich eine hervorragende Methode dar um in kurzer Zeit systematisch den Körper zu trainieren. Ashtanga Yoga besteht aus 6 Übungsserien von denen jedoch schon die 1-2 Serie einen so hohen Schwierigkeitsgrad hat, dass ein durchschnittlich sportlicher Mensch auch bei täglichem Training viele Jahre benötigt um sie vollständig zu erlernen. Die 3-4 Serie wird nur von wenigen trainiert, die 5-6 Serie kann nur von 2-3 Menschen weltweit demonstriert werden.


Hatha Yoga und Ashtanga Yoga, Unterschiede
In fortgeschrittenen Stufen des traditionellen Hatha Yoga werden alle Übungen des altüberlieferter Übungsserien systematisch erlernt. Das Hauptziel des Hatha Yoga ist, durch - auf fortgeschrittenem Level - langes Halten auch der fortgeschrittenen Asanas neben der körperlichen Wirkung eine v.a. energetische Wirkung auf Nadis (Energiebahnen) und Chakren (Energieknotenpunkte) zu erzielen. Eine gezielte Tiefenentspannung, Meditation, Pranayama, Energieübungen, Kriya Yoga (energetisches Yoga basierend auf Atemübungen und Visualisation) , Kundalini Yoga sowie Tattva Shuddhi (Reinigen der 5 Elemente) sind Teil des traditionellen Yogas.

Ebenso ist die Weitergabe fundierten Wissens über Vedanta, Ayurveda sowie tantrischen Elementen Ziel des traditionellen Yogas, um eine ganzheitliche Gesundung und Regeneration des Menschen zu bewirken. Im traditionellen Hatha Yoga wird während der Asanas die volle Yogaatmung durchgeführt. Im Ashtanga Yoga wird eine tiefe Ujjayi Atmung sowie ein Halten von Mula Bandha und Uddiyana Bandha (Muskelverschlüsse) durchgeführt.

Auf dieser Website könnt Ihr Photos von Gurukula Kindern sehen, welche traditionellen indischen Hatha Yoga Unterricht im Ashram/ Gurukula bekommen und die altüberlieferten Übungsserien täglich trainieren. Das Training dieser Kinder ist speziell auf den 12 teiligen Surya Namaskar (Sonnengruss) sowie die Varianten ausgelegt, das Geheimnis dieser extremen Asanas liegt vor allem in der täglichen Anwenung aller Varianten des Surya Namaskar, weniger in der Durchführung schwieriger Asanas!

Wichtig: ASANAS (körperliche Übungen) sind nur ein kleiner Teil des integralen (ganzheitlichen) Yoga. Alles Hatha- oder Ashtanga Yoga ist Teil des Raja Yoga, also des Yoga, welches durch wissenschaftliche Methoden Kontrolle des Geistes und Körpers erreicht. Den Körper zu beherrschen, die Nervenbahnen zu reinigen, das Immunsystem zu stärken, sich nach Belieben völlig entspannen zu können, sich nach Belieben sich in unterschiedliche Bewußtseinszustände versetzen zu können und bewußt luzide (wach) die Traumphase zu erreichen (sog. Wachträumen/ luzides Träumen - bis hin zu ausserkörperlichen Erfahrungen) sind nur einige der Ziele des Raja Yoga.

Yogaschulen welche nicht Pranayama, Bandhas, (Energieverschlüsse), Enery Work, Yoga Nidra (gezielte Tiefenentspannung), Meditation, Shat Kriyas (körperliche Reinigungsübungen), Kriya Yoga (energetisches Yoga), Tattva Shuddhi (Reinigen der Elemente), Vedanta Philosophie, Veden (zB. Ayurveda) und vieles mehr an die Schüler weitergeben unterrichten im Grunde überhaupt nicht Yoga, sondern "östliches Aerobik"!



Die wahre Bedeutung des Begriffes "Ashtanga Yoga":

Der Sanskritbegriff „Ashtanga“ bedeutet übersetzt „8 Glieder“ und beschreibt Yoga als 8 teiligen Pfad. Die 8 Glieder wurden uns durch die vom Weisen Patanjali vor rund 2.500 Jahren niedergeschriebenen „Yoga Sutras“ überliefert:

Yama (Das Verhalten Anderen gegenüber)
Niyama (Das Verhalten sich Selbst gegenüber)
Asana (Übungen der Yogastellungen)
Pranayama ("Atemanhaltung" oder die "Erweiterung des Atems")
Pratyahara (Sich-nach-Innen-Ausrichten und Zurückziehen der Sinne)
Dharana (Konzentration)
Dhyana (Meditation)
Samadhi (Kontemplation, Einswerdung)



DIE ACHT GLIEDER DES ASHTANGA YOGA

YAMA - DAS VERHALTEN ANDEREN GEGENÜBER
Die Übung von Yama und Niyama ist wesentlich für die Entwicklung der inneren Glieder (Pratyahara, Dharana, Dhyana, Samadhi) und die Integration von Yama und Niyama in das tägliche Leben ist eine Voraussetzung, um mit den anderen Gliedern einen wirklichen Fortschritt zu machen. Yama und Niyama bestehen aus jeweils 5 Verhaltensweisen.

Die 5 Verhaltensweisen von Yama sind

- Ahimsa– Gewaltlosigkeit

Dabei ist nicht nur die Unterlassung von tätlicher Gewalt gemeint, sondern Gewaltlosigkeit im weitest denkbaren Sinn, eine Gewaltfreiheit all unserer Gedanken, Worte und Handlungen, ein wohlüberlegter, gewalt- und hassfreier, liebevoller Umgang mit uns selbst und unserer Umwelt.

- Satya– Wahrhaftigkeit

Auch hier ist das umfassendst denkbare Spektrum an Wahrhaftigkeit gemeint und schließt alle unsere Gedanken, Worte und Taten mit ein.

- Asteya – „Nicht – Stehlen“

Darunter versteht man, sich nichts anzueignen was einem nicht gehört und nichts zu tun, wozu man kein Recht hat.

- Brahmacharya– Enthaltsamkeit

Die Auslegung dieses Sanskritbegriffs ist sehr umstritten. Manche Kommentare und Yogagelehrten legen ihn als Zölibat aus, andere verstehen darunter einen verantwortungsvollen, bewussten, mäßigen Umgang mit Sexualität und Treue gegenüber dem Partner.

- Aparigraha– Freisein von Besitzgier

Darunter versteht man, nicht zu begehren, was einem nicht zusteht, keinen unnötigen Besitz anzuhäufen, keine unrechten Geschenke anzunehmen und nur nehmen, was angemessen ist.

NYAMA - DAS VERHALTEN SICH SELBST GEGENÜBER
Die 5 Verhaltensweisen von Niyama sind

- Sauca – äußere und innere Reinheit

Trifola zur Unterstützung der Yoga KriyasDie Bedeutung ist, einerseits den Körper äußerlich und innerlich (z.B. durch gesunde Ernährung, durch Übung von Asana und Pranayama) rein zu halten, aber auch den Geist und die Gedanken von unreinem, störendem Ballast zu befreien.

- Samtosha – Bescheidenheit, Genügsamkeit

Das bedeutet, zufrieden zu sein mit dem, was man hat und ein Leben zu führen das nicht auf Begierden, sondern auf Bedürfnissen basiert.

- Tapas – Selbstbeschränkung, Disziplin

Dieser Begriff wird sehr unterschiedlich ausgelegt, von selbstlosem Handeln über Askese bis zum Anheizen des inneren Feuers. Am ehesten ist eine Form von positiver Selbstbeschränkung und Disziplin gemeint, die uns hilft regelmäßig, ohne Unterbrechungen unsere Übungen zu machen und unseren Pflichten selbstlos nachzukommen.

- Svadhyaya – Studium und Selbststudium

Svadhyaya bedeutet das Studieren der "Alten Schriften" und das Selbststudium in Sinne von Selbstbeobachtung und Reflexion.

- Isvara pranidhana – Hingabe an die höhere Macht der Schöpfung

Gemeint ist, zu erkennen, dass nicht das "Ich" im Mittelpunkt steht, sondern dass man als Teil der ganzen Schöpfung sich dieser hingibt und ultimativ diese Einheit erfährt.

ASANA - KÖRPERSTELLUNGEN
Unter Asanas werden Körperstellungen verstanden. Diese sollen gemäß Yoga Sutra II.46 „fest“ und „entspannt“ sein, das heißt, sie sollen einerseits bewusst, aufmerksam und aktiv gehalten werden, andererseits sollen sie angenehm und entspannt sein und der Atem soll weiter frei, gleichmäßig und ruhig fließen.

PRANAYAMA - KONTROLLE VON LEBENSENERGIE, ATEMKONTROLLE

"Prana" bedeutet "universelle Lebensenergie" und "Ayama" ist „Pause (in der Bewegung des Atems)“ oder "erweitern", somit bedeutet Pranayama die "Atemanhaltung" oder die "Erweiterung des Atems" .

Es handelt es sich um Atemübungen zur Energielenkung, die Körper und Geist auf die weiteren Glieder des Ashtanga Pfades vorbereiten. Sie lösen Blockaden in den Nadis (Energiebahnen im Körper), so dass Prana im Körper frei fließen kann.

Die Übungen, die hier praktiziert werden, bestehen aus bewusster Atmungsregulierung. Dabei werden gezielt die Einatmung, die Ausatmung, die Atemanhaltung, die jeweilige Länge und Anzahl der „Atmungen“, aber auch durch welches Nasenloch geatmet wird (durch bewusstes mit der Hand verschließen des anderen) gesteuert.

Ebenso wie im Alltag eine Störung oder ein „außergewöhnlicher“ Gemütszustand (Angst, Zorn,...) eine Auswirkung auf unser Atemmuster und damit auf die (unbewusste) Atmung hat (stoßweise, verkürzt, schneller, flacher), hat umgekehrt die bewusste ruhige langsame tiefe regulierte Atmung eine Auswirkung auf unseren Geist. Durch die Fokussierung auf die Übungsabfolge, den Atem und den Energiefluss im Körper können wir mit Hilfe von Pranayama unsere Konzentrationsfähigkeit steigern, die Bewegungen des Geistes (Gedankenflut) zur Ruhe kommen lassen und Körper und Geist harmonisieren.
Durch korrektes Pranayama in Verbindung mit Kriyas (yogischen Reinigungstechniken) können auch verschiedenste physische Erkrankungen des Körpers gemildert bzw. geheult werden.

PRATYAHARA - BEHERRSCHEN DER SINNE
Unter Pratyahara versteht man das bewusste Kontrollieren der Sinne, damit der Geist nicht unbewussten Ablenkungen durch die von den Sinnesorganen aufgenommenen Reizen ausgesetzt ist. So werden die Sinne nur dann eingesetzt, wenn wir sie tatsächlich bewusst nutzen wollen (Umkehr vom Sklaven der Sinne zum Meister über die Sinne).

DHARANA - KONZENTRATION
Dharana bedeutet Konzentration und ist das bewusste Fixieren des Geistes auf ein bestimmtes Objekt. Dharana ist eine Vorstufe zu Dhyana.

DHYANA - MEDITATION
Wenn die Konzentration auf ein Meditationsobjekt ununterbrochen und über einen längeren Zeitraum anhält, spricht man von Meditation. Der Meditierende verliert mehr und mehr das Ich – Bewusstsein und es kommt zu einer Vereinigung mit dem Meditationsobjekt.

SAMADHI - KONTEMPLATION, VERSENKUNG
Samadhi ist ein Zustand, der mit Worten nur schwer erklärbar ist. Personen, die ihn erlebt haben, beschreiben, dass die Person des Meditierenden jede Bedeutung verliert, es kommt zu einem überbewussten, tranceähnlichen Glückszustand, zu einer Einheit von Körper, Geist, Seele und Meditationsobjekt, zu einer Vereinigung mit der Schöpfung, zu einer kosmischen Verbundenheit (Erleuchtung).

______________________________________________

Patanjali (Sanskrit, पतञ्जलि, Patañjali, [pʌtʌɲʤʌlɪ]) war ein indischer Gelehrter, der die heute noch vollständig erhaltenen Yoga-Sutras Sutren verfasst haben soll. In der indischen Mytholgie gilt er als Inkarnation des Schlangekönigs Shesha.

Über das Leben von Patanjali ist jedoch nichts bekannt, auch nicht wann er gelebt hat. Es ist nicht einmal sicher, ob er eine historische Persönlichkeit war. Indische Tradition setzt ihn mit dem Grammatiker gleichen Namens, der im 2. Jahrhundert vor Christus lebte, gleich. Da der Wortschatz des Grammatikers und des Schreibers jedoch stark von einander abweichen, gehen Indologen davon aus, dass es sich nicht um die gleiche Person handelt. Vielmehr sind sie aufgrund bestimmter Formulierungen, die sich auch im Spätbuddhismus finden, der Ansicht, das Werk sei im 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus entstanden.

Wörtlich übersetzt bedeutet Sutra "Faden". Das Yoga-Sutra ist also gewissermaßen ein Leitfaden für Yoga, der anders als die Bhagavadgita keine Rahmenhandlung besitzt und auch nicht gesungen wurde. Das Yoga-Sutra von Patanjali besteht aus 195 Sanskrit-Versen, in denen in hochkonzentrierter Form die Essenz des Yoga-Weges gebündelt ist. Es ist das älteste erhaltene Werk über Yoga. Diese Form des Yoga wird als Raja Yoga oder Ashtanga Yoga (achtgliedriger Yoga) bezeichnet.

Patanjali stellt Yoga als einen achtgliedrigen Weg dar.

Alle acht Glieder des Yoga bilden eine untrennbare Einheit. Die acht Stufen bauen aufeinander auf und stellen verschiedene Schwierigkeitsgrade dar. Wer mit den Asanas und Pranayama beginnt, sollte vorher Yama und Niyama in sein Leben integriert haben. Das letztendliche Ziel ist Samadhi, die völlige Ruhe des Geistes.